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Ein langjähriger Mitarbeiter stellt erbittert fest:

Für Menschlichkeit ist bei Praktiker kein Platz!

Wie das Beschwerdezentrum half, dass der Mitarbeiter seine Würde wiedererlangte.

 Dies ist die Geschichte eines ehemals engagierten Mitarbeiters von Praktiker (Markt Freiburg), der von einem Tag auf den anderen ohne erkennbaren Grund bei einem Vorgesetzten 'in Ungnade fiel', vor den Augen seiner Kolleginnen und Kollegen 'degradiert' und gedemütigt wurde, der in Depressionen verfiel und deshalb psychiatrisch behandelt werden musste und dafür von der Firmenleitung dann erneut gedemütigt wurde.

 Praktiker ist (wie einige andere Baumärkte auch) nicht gerade reich an engagierten und qualifizierten Mitarbeitern, wie ein Test des Wirtschaftsmagazins 'markt' (WDR) belegt (siehe auch bei dooyoo die Bewertung "Kein Fachpersonal") und für Ärger bei Praktiker gibt es im Internet sogar ein eigenes Diskussionsforum. Praktiker macht seinem Mutterkonzern ganz allgemein einige Probleme, wie Tagesspiegel Online im März zu berichten wusste ("Schwierigkeiten bereitet dem Management weiterhin die Baumarktkette Praktiker. Auch 2001 schrieb die Kette wieder rote Zahlen. Bei einem geringeren Umsatz als im Vorjahr betrug der Verlust 9,7 Millionen Euro.").

 Jonas Baumann arbeitete mehr als 11 Jahre bei Praktiker. Seine Abteilung "stand wie 'ne Eins" (Zitat eines Mitglieds des Betriebsrates). Er ist ein Mitarbeiter, der mitdenkt, der nicht einfach seinen Job macht und erst nach Feierabend "zu leben beginnt". Er hat Freude am Erfolg, gute Ideen. Er ist beliebt bei seinen Kollegen und seine Vorgesetzten schätzen seine Ideen, ziehen ihn z. B. bei Fragen zur Gestaltung des Marktes auch dann zu Rate, wenn es gar nicht um seine Abteilung geht. Schon früh hatten Vorgesetzte das Potenzial, das in diesem jungen Mitarbeiter steckt, erkannt: Man schickte ihn in den sog. "Förderkreis" der Firma und bot ihm die Möglichkeit, sich für die Übernahme der Funktion eines Marktleiters ausbilden zu lassen. Sein unmittelbarer Vorgesetzter, Herr Groda, Marktleiter des Marktes von Freiburg, vertraute ihm offenbar sehr. Nicht nur, dass Jonas Baumann (Name von der Redaktion geändert) den 'Schlüsseldienst' übertragen bekommt (bei Abwesenheit des Marktleiters also nach Dienstschluss den Markt verschließt): Der Marktleiter überträgt ihm, der eigentlich nur Leiter der Elektroabteilung ist, Funktionen, die eindeutig zu den Aufgaben eines stellvertretenden Marktleiters gehören; so wird z. B., wenn der Marktleiter auf Reisen ist, im Markt Freiburg sein Name ausgerufen, wenn ein Abteilungsleiter Probleme mit einem Kunden hat, die er selbst nicht lösen kann. Der Marktleiter traut also offenbar speziell ihm die Kompetenz zur Lösung derartig schwieriger Probleme im Umgang mit unzufriedenen Kunden zu.

Regionalleiter Werner Müller lässt Jonas Baumann im Dezember 2001 nach einem einzigen Gespräch buchstäblich 'ins Bodenlose stürzen'

 Im Zuge der Einführung des Euro werden Ende des Jahres 2001 beim Freiburger Markt (wie bei den anderen Märkten auch) frühzeitig Euro angeliefert, die im Tresor der Filiale gelagert werden. Ende Dezember stellt man bei einer Kontrolle überraschend fest, dass von der angelieferten und geprüften Summe 5.000 Euro fehlen. Wann das Geld in dem Zeitraum von vier Wochen seit Anlieferung genau verloren ging, ist nicht mehr nachprüfbar, und sehr schnell stellt sich zudem heraus, dass nicht nur der kleine Kreis von Leuten für den Diebstahl in Frage kommt, der unmittelbar Zugang zum Tresor hatte: "Es könnte praktisch jeder gewesen sein!", gibt der Betriebsrat bei einem Gespräch mit zwei Mitarbeitern des Beschwerdezentrums zu Protokoll.

 Regionalleiter Werner Müller führt zur Aufklärung des Diebstahls mit einer Reihe von Personen, die Zugang zum Tresor haben, Ende Dezember des des Jahres 2001 einzeln Gespräche. Er führt auch ein Gespräch mit Jonas Baumann. In diesem Gespräch geht es nach Aussage von Jonas Baumann aber nicht nur um den Diebstahl. Es geht auch um die Frage, warum er sich vor Jahren dagegen entschieden hat, sich zum Marktleiter ausbilden zu lassen. Herr Müller empfindet die Antwort von Herrn Baumann, es seien 'private Gründe' dafür ausschlaggebend gewesen, offenbar äußerst unbefriedigend. Herr Baumann gibt ihm zu verstehen, dass es sein gutes Recht sei, diese Aussage nicht weiter zu präzisieren. Nach diesem Gespräch weist Herr Müller den Marktleiter, Herrn Groda, jedenfalls an, Herrn Baumann von allen zusätzlichen Aufgaben (incl. des Schlüsseldienstes) zu entbinden. Eine Begründung für diese Anweisung gibt Herr Müller nicht. Er lässt nur durchblicken, dass er unzufrieden mit dem Verhalten von Herrn Baumann während des Gesprächs gewesen sei.

 Herr Baumann fällt in ein Loch. Wie steht er jetzt vor der Belegschaft da? Er war durchaus ein Mann mit für einen Abteilungsleiter nicht selbstverständlichen Befugnissen. Nun wird ihm, ohne Begründung, sogar der Schlüsseldienst entzogen. Wie soll die Belegschaft diese Entscheidung einordnen? Was kann der Grund für eine solche Entscheidung sein, wenn es in dem Gespräch doch um die Klärung eines Diebstahls von 5.000 Euro ging - zumindest eigentlich hätte gehen sollen? Welchem Verdacht setzt dieser Herr Müller einen engagierten Mitarbeiter aus, der das besondere Vertrauen seines unmittelbaren Vorgesetzten genießt, und aus welchem Grunde? Nach den von uns gehörten Zeugen ist Jonas Baumann von diesem Tage an wie ausgewechselt. Sein Schwung ist dahin. Er benötigt schließlich psychotherapeutische Hilfe.

 In diesem Stadium wird das Beschwerdezentrum auf den Fall aufmerksam und fragt nach ausführlichen Gesprächen mit Herrn Baumann schriftlich beim Regionalleiter Werner Müller nach, was ihn zu der Anweisung, Herrn Baumann von sämtlichen zusätzlichen Aufgaben entbinden zu lassen (sprich: ihm 'das Vertrauen zu entziehen') veranlasst habe. Wir bieten ihm ein Interview an. In einem Fax vom 3. April 2002 schreiben wir: "Die gegen Sie erhobenen Vorwürfe wiegen schwer. Wir möchten Ihnen selbstverständlich Gelegenheit zu einer Stellungnahme geben und bieten Ihnen an, mit Ihnen ein Interview zu führen, damit Sie den Sachverhalt aus Ihrer Sicht schildern können. Wir denken momentan darüber nach, weitere Fälle in Praktiker-Filialen in anderen Städten zu recherchieren, von denen uns, wie oben erwähnt, in den zurückliegenden Monaten berichtet wurde, und dabei den Fall von Herrn Baumann exemplarisch ausführlicher darzustellen. Dieser Fall erscheint uns deshalb für einen Bericht in unserer Internet-Zeitung besonders geeignet (...), weil wir es hier mit einem Mitarbeiter zu tun haben, der bis zum Dezember 2001 durch sein Engagement und seinen (für die Firma) wirtschaftlichen Erfolg aufgefallen ist, und dessen Motivation plötzlich, sozusagen von einem Tag auf den anderen, ohne erkennbaren objektiven Grund durch ein einziges von Ihnen geführtes Gespräch zerstört wurde. Zum Ablauf dieses Gesprächs würden wir gern Ihre Sicht der Dinge erfahren, denn offenbar hat dieses eine Gespräch, in Verbindung mit Ihrer Anordnung, Herrn Baumann ohne Nachweis irgendeines Versäumnisses oder eines Fehlers öffentlich zu demütigen, diese Zerstörung der Motivation eines bisher engagierten Mitarbeiters bewirkt."

 Doch nicht Herr Müller antwortet, sondern wir erhalten stattdessen am 12. April 2002 einen Brief der Rechtsabteilung (zum Inhalt dieses Briefes siehe unsere Antwort weiter unten.)

 Wir nehmen darauf hin Kontakt mit dem Betriebsrat der Freiburger Filiale von Praktiker auf und führen eine Reihe von Gesprächen mit (teilweise ehemaligen) Angestellten. Auf der Grundlage dieser Recherchen schreiben wir am 5. Mai 2002 folgenden Brief.

 Doch auch diesmal antwortet nicht Herr Müller, sondern wir erhalten stattdessen am 21. Mai 2002 Brief von einer Anwaltskanzlei, dessen Inhalt wir nicht genauer zitieren wollen, da die Rechtsanwälte sich in diesem Brief auf unglaubliche Weise blamieren (und es geht uns hier ja nicht um die Anwaltskanzlei). Der Brief ist übrigens ein einziger Einschüchterungsversuch (eine "Unterlassungserklärung" und eine Kostennote waren gleich begefügt), und die Lächerlichkeit wird durch folgende Antwort von uns auch ohne den Originalbrief offenbar (wir erhielten nach unserem Antwortschreiben von der Kanzlei übrigens keine weitere Post ...).

 Nach diesem Brief an die Rechtsanwälte tritt zunächst 'Stille' ein. Wir hoffen darauf, dass die Geschäftsleitung von PRAKTIKER nach einem Weg sucht, die durch einen leitenden Angestellten (und in der Folge auch durch eigenes Fehlverhalten) erzeugten Probleme mit einem vormals engagierten und verantwortungsvollen Mitarbeiter zu lösen. Doch es geschieht nichts. Im Gegenteil hören wir auf Nachfrage von Herrn Baumann, dass man offenbar versucht, ihn zu zermürben.

 An diesem Punkt entschieden wir uns, einen Teil der Geschehnisse öffentlich zu machen (siehe dazu unseren Aufruf an die Mitarbeiter von Praktiker), da die Geschäftsleitung von PRAKTIKER offenbar nicht bereit war, die Angelegenheit in einer Weise zu bereinigen, die mit der Würde ihres Mitarbeiters vereinbar ist (etwa durch eine Entschuldigung des Verantwortlichen). Im Gegenteil: Man redete nicht mit ihm und schien den Versuch zu unternehmen, ihn durch ungerechtfertigte Beschuldigung weiter zu demoralisieren.

 Herr Baumann hat sich bis zu seinem Ausscheiden aus der Firma uns gegenüber mit internen Informationen aus dem 'Hause Praktiker' sehr zurückgehalten. Viele Informationen haben wir ohne seine Mithilfe durch eigene Recherchen und durch Informanten erhalten. Nicht zuletzt seinem Einfluss ist es zu verdanken, dass wir bis zu diesem Artikel nur wenige Ergebnisse unserer Recherchen veröffentlicht haben. Er war begreiflicherweise an einer gütlichen Einigung interessiert und wollte die Chancen dafür durch zu große Öffentlichkeit nicht verschlechtern. Gelohnt wurde ihm das allerdings nicht!.

Nach unserer Veröffentlichung kommt dann doch Bewegung in die Sache

 Ob aufgrund unserer Veröffentlichung oder einfach nur 'nach' unserer Veröffentlichung, sei dahingestellt, jedenfalls kam es nach beinahe acht Monaten (Monate ohne 'Rehabilitierung' vor den Mitarbeitern, ohne Gespräch und, vor allem, ohne jede Entschuldigung) dann endlich zu einem Gespräch mit dem Nachfolger von Werner Müller. Herr Baumann hatte aufgrund eines Beschwerdebriefes an die Geschäftsleitung einen Antwortbrief der Rechtsabteilung von Praktiker erhalten. Dieser Brief veranlasste ihn zu einer grundsätzlichen Stellungnahme, die wir hier öffentlich machen wollen (sein Brief wurde uns zugespielt). Einige derjenigen, die bei Praktiker (noch) etwas zu verlieren haben, schreckten anscheinend auch vor Lügen nicht zurück, um sich gegenseitig zu schützen, und waren dabei scheinbar bedenkenlos bereit, einen kleinen Abteilungsleiter notfalls fertig zu machen. Durch einen Zeugen wurde uns bestätigt, dass der Vorwurf der Lüge, den Herr Baumann gegenüber seinen Vorgesetzten Klose und Müller in diesen Briefen erhebt, zu Recht erhoben wird. Dieser

Brief an die Firmenleitung

ist von grundsätzlicher Bedeutung. Die Einschätzung von Herrn Baumann, dass Marktleiter bei Praktiker 'Leibeigenen' vergleichbar seien, spricht Bände, und es spricht für seine Glaubwürdigkeit, dass er sich durch die guten Verdienstmöglichkeiten nicht hat locken lassen, seine Würde und Selbstachtung einer solchen Stellung zu opfern.

 Für uns ist dieser Brief ein erschütterndes Dokument eines Machtspiels, bei dem Herr Baumann nur verlieren konnte, wenn er nicht 'von außen' (also durch uns) Unterstützung erfahren hätte. Wir veröffentlichen diesen Brief auch, weil Herrn Baumann, wie oben bereits angedeutet, als Folge dieses Briefes und unserer Veröffentlichung erstmals ein Gespräch mit dem neuen zuständigen Regionalleiter angeboten wurde. Mit einer gewissen Genugtuung, aber auch mit einem gewissen Erstaunen darüber, dass erst acht Monate ins Land gehen mussten, haben wir erfahren, dass Herrn Baumann in diesem Gespräch ein Angebot für eine "einvernehmliche Trennung" unterbreitet wurde.

 Und nun zum (vorläufig) letzten Kapitel dieses schmutzigen Machtspiels: Wir erhielten einen Brief von Herrn Baumann, in dem er uns bittet, von weiteren Veröffentlichungen abzusehen, weil er 'zur Ruhe kommen' wolle. Er bestätigte uns, dass er einvernehmlich bei Praktiker ausscheide und eine Abfindung erhalte. Wir verstehen diesen Wunsch von Herrn Baumann, dessen Nerven nach acht Monaten 'Hängenlassen' durch die Firmenleitung sicher blank liegen, auch deshalb sehr gut, weil wir den Verdacht haben, dass der Auflösungsvertrag eine Art 'Knebelvertrag' ist, der Herrn Baumann unter Androhung des Verlustes seiner Abfindung einen Maulkorb umbindet (anders ist für uns nach Monaten vertrauensvoller Zusammenarbeit dieser Brief von Herrn Baumann und seine Verweigerung genauerer Informationen nicht verständlich). Gerade deshalb aber haben wir uns aus grundsätzlichen Erwägungen entschlossen, seinem Wunsche nicht zu entsprechen: Es darf nicht sein, dass wieder die wirtschaftliche Macht siegt, dass der Druck auf den kleinen finanziell abhängigen Mitarbeiter nach einer geschehenen Ungerechtigkeit jetzt noch dazu dient, das Geschehene effektiv vertuschen zu können. Wenn das Beschwerdezentrum immer nur 'hinter den Kulissen' wirkungsvoll bei der Lösung von Problemen hilft, die Effektivität dieser Hilfe aber dann nicht öffentlich gemacht werden kann: Wie sollen potentiell Hilfsbedürftige jemals erfahren, dass es (durch uns) Möglichkeiten gibt, sich gegen Unrecht wirkungsvoll zur Wehr zu setzen?

 Das, was dort lief, war ein "schmutziges Spiel", gespielt auf dem Rücken eines kleinen Abteilungsleiters. Die Tatsache, dass eine Abfindung gezahlt wurde, ist das Eingeständnis, dass Herrn Baumann offenbar Unrecht geschah! Noch einige Wochen vorher war ihm bedeutet worden, dass er sich eine Abfindung 'aus dem Kopf' schlagen könne: Wenn es ihm bei Praktiker nicht mehr gefalle, könne er ja kündigen. Eine unglaubliche Unverschämtheit: Man demütigt einen Mitarbeiter und sagt ihm dann, er könne ja gehen, wenn es ihm nicht gefalle - selbstverständlich ohne eine Entschädigung.

 Ja, es scheint wahr zu sein: Für Menschlichkeit ist bei PRAKTIKER kein Platz.

Dr. Peter Niehenke
27. August 2002


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